EBG-Orchester – Informationen für Mitwirkende 2. Konzert 2016/2017 Mozart Requiem

Liebe Mit-Musiker,

im zweiten Konzert der Saison werden wir am 18. März des Jahres gemeinsam mit dem Jugendchor des EBG das Requiem von Wolfgang Amadeus Mozart aufführen.

Wolfgang Amadeus Mozart (Croce 1780/81)

Wolfgang Amadeus Mozart (Croce 1780/81)

Während Mozart 1791 gerade die „Zauberflöte“ komponierte, bekam er von einem geheimnisvollen anonymen Auftraggeber die Aufgabe, eine Totenmesse, also ein „Requiem“ für Chor, Orchester und Solisten zu komponieren. Von dem Auftraggeber weiß man mittlerweile, dass es der Graf von Walsegg war, der das Werk als seine eigene Komposition ausgeben und aufführen (und deshalb anonym bleiben) wollte, wir wissen außerdem, dass Mozart zur damaligen Zeit Geldsorgen hatte, so dass ihm dieser Auftrag sehr gelegen kam.

Allerdings war Mozart auch sehr krank, und sein Zustand verschlechterte sich während der Komposition des Requiems. Schließlich starb Mozart, ohne das Werk vollendet zu haben.

Seine Frau Konstanze beauftragte zunächst Mozarts Schüler Joseph Eybler damit, das Stück zu Ende zu schreiben. Eybler hat es versucht, nach einigen Skizzen aber aufgegeben, weshalb dann ein anderer Schüler, der ansonsten unbekannte Komponist Franz-Xaver Süßmayer, das Werk komplettiert hat. Einige Stücke (z.B. das „Recordare“) hat er dabei ohne erhaltene Skizzen Mozarts quasi völlig eigenständig komponiert, allerdings ist es möglich, dass Mozart ihm vor seinem Tod noch Anweisungen gegeben hat, oder dass einige Skizzen nicht erhalten sind.

Obwohl sich später auch andere Komponisten an einer Vervollständigung des Requiems versucht haben, ist die von Süßmayer erstellte Fassung von Mozarts Werk die heute am meisten gespielte. Außerdem ist sie meiner Meinung nach die mit Abstand beste, daher ist das auch die Fassung, die wir musizieren.

Die Mozart-Interpretation hat sich in den vergangenen Jahren enorm gewandelt. Früher hat man Mozart, wie auch frühere Komponisten, häufig sehr schwergewichtig, mit langsamen Tempi und mit großem Pathos musiziert. So zum Beispiel in dieser Karl-Böhm-Aufnahme von 1971:

Ganz anders klingt es 2015 mit Philippe Herreweghe, sehr viel durchsichtiger und pointierter:

 

Wir werden das Werk nicht genau wie Herreweghe, aber dennoch sehr pointiert und gut ausformuliert musizieren, das heißt vor allem, dass die lauten Stellen mehr mit Impulsen als mit dauerhaft lauten Tönen gestaltet werden. Dies ist auch notwendig, damit der Jugendchor des EBG es nicht so schwer hat, an den lauten Stellen noch gut gehört zu werden.

Zum Üben: bitte beachtet, dass das „Dies Irae“ (Nr. 3) in den Streichern unbedingt sehr locker gespielt werden muss, trotz (oder gerade wegen) des Tempos.

Die ersten Geigen sind im „Lacrimosa“ (6) in punkto Intonation und Ausdrucksstärke besonders gefordert, da es sehr offen liegt, ebenso im Piano-Teil des „Confutatis“ (5), das ansonsten sehr impulsiv musiziert wird (starke Akzente in den lauten Teilen, Streicher in der unteren Bogenhälfte!).

Für die Holzbläser (es sind nur Klarinetten (bzw. Bassetthörner) und Fagotte besetzt) sind die Anfänge der Nummern 1 („Introitus“) und 14 („Communio“) besonders wichtig, speziell im Hinblick auf Intonation uns Ausdruck- dies ist quasi die „Erkennungsmelodie“ des Requiems.

Technisch schwierig aber nicht unspielbar ist das „Domine Jesu“ (9), da ist besonders das Timing wichtig, und es gibt eine heikle aber sehr wichtige Sechzehntel-Stelle ab Takt 21, die wirklich jeder geduldig und sorgfältig üben muss.

Gerne unterschätzt wird auch die Nummer 6 „Recordare“ (Cello-Anfang!)

Die Fugen im „Kyrie“ (2) und in der „Communio“ (14) müsst Ihr natürlich nahezu auswendig können.

Vor dem Requiem spielen wir das „Adagio und Fuge in c-Moll“, eine von Mozarts sehr wenigen Moll-Kompositionen (das Requiem gehört auch dazu) in einer Fassung für großes Orchester. Dieses Stück muss man gut üben im Hinblick auf die vielen Vorhalte und chromatischen Wendungen. Das Stück ist eins von Mozarts „verrücktesten“ Werken, es setzt Maßstäbe für die Harmonik und Kontrapunktik bis in unsere Zeit hinein. Das „Adagio und Fuge“ ist ein ebenso tiefgründig „schwarzes“ wie ungemein aufregendes und faszinierendes kleines Werk, bei dem es sich wirklich lohnt, sehr genau hinzuschauen und hinzuhören.

Die Noten für das Werk müsst Ihr Euch selbst ausdrucken. Ihr findet sie hier.

Bitte haltet Euch alle Probentermine, insbesondere das Probenwochenende, unbedingt frei. Mozart zu musizieren ist eine besondere Herausforderung, der wir unbedingt gerecht werden wollen und können, wenn alle sich gut auf die Proben vorbereiten.

Den aktuellen Probenplan findet Ihr hier. Ich schicke in diesen Tagen noch einen zweiten Plan mit der für Eure Stimmen verwendeten Nummerierung raus.

Viel Freude beim Üben!